Apropos Benzinpreis. Der Führer der grössten Wirtschafts- und Militärmacht der Welt hat noch nicht gemerkt, dass Benzin langsam teurer wird. Sei es weil er einen eigene Ölquelle zuhause hat, die Steuerzahler eh seinen Benzinrechnung bezahlen oder er einfach keine Zeitungen liest.
Whatever. Einmal mehr können wir wenigsten einmal über solch traurige Nachrichten lachen.
Der Amerikaner leidet ja speziell unter dem hohen Benzipreis. Save gas or lower prices lautet denn auch das Motto. Ein TV-Reporter aus LA nimmt die Sache mit dem Benzipreis nun gleich selbst in die Hand. Live vor einem Millionenpublikum.
Man stelle sich das mal beim Schweizer Fernsehen vor…
Keine Angst, ich werde jetzt nicht literarisch. Goethes Faust findet aber auch im Fussball durchaus Anlehnung. Die Suche nach der Identität wird an der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz sichtbarer als auch schon. Fussball und dem Sport im Allgemeinen wird ja oft eine integrative Funktion zugesprochen. Trotzdem fragen sich viele Fussballer in diesen Wochen frei nach Robert Lemke: Wer bin ich?
Besonders deutlich war die Frage Lukas Podolski ins Gesicht geschrieben, als der das Land seiner Geburt mit zwei Treffern quasi im Alleingang besiegte. Seine Reaktion nach den Toren gegen Polen: Verhalten. Dass er nicht zu Heulen begann, war schon fast ein Wunder. Sein Sturmpartner Miroslav Klose, ebenfalls mit polnischer Vergangenheit, war da schon abgeklärter. „Ich hab ein polnisches Herz“, sagte Podolski vor dem Spiel. Damit drückt er aus, was viele Secondos Tag für Tag erleben. Man bewegt sich zwischen zwei Welten und hofft, sich nie für die eine oder andere entscheiden zu müssen. Wenn doch, dann kann das durchaus tragisch sein.
Mladen Petric und Ivan Rakitic spielen für Kroatien, nicht ohne die entsprechenden Nebengeräusche in der Schweiz. Valon Behrami, Hakan Yakin, Eren Derdiyok und Göhkan Inler spielen für die Schweiz. Hamit Altintop, in Deutschland geboren, spielt für die Türkei. Die Liste ist lang und sie zeigt, dass trotz Integration und trotz Fussball man sich nicht schnell mal für die eine oder andere Seite entscheiden kann. Das gilt für Fussballer genauso wie für all die anderen Secondos.
Immerhin, es gibt auch jeden, die im Hinblick auf diese EM die Entscheidung nicht bereuen werden. Kazim Kazim ist so einer. Er ist ein in London geborener Türke und spielt für die Türkei. Er kann unbeschwert aufspielen, denn seine zweite Seele schaut sich die EM vor dem Fernseher an…
„Geld gewinnt keine Fussballspiele, aber es bringt einem in die 1. Bundesliga“. Der das sagt ist Chinedu Obasi, Stürmer bei der Bundesliga-Aufsteigerin 1899 Hoffenheim und mit seinen Toren massgeblich am Wunder des Dorfvereins beteiligt. Welch philosophisch anmutende Antwort eines Fussballers. Was er eigentlich sagen will ist: Geld macht zumindest nicht unglücklich. Aber der Reihe nach. Von was sprechen wir hier eigentlich.
Geld ist ein Zwischentauschmittel, welches sich von anderen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern aufgrund allgemeiner Anerkennung zum weiteren Tausch eingesetzt werden kann. Deshalb auch die Binsenweisheit:„Geld kann man nicht essen“ oder in den Worten des Fussballers Obasi „Geld gewinnt keine Spiele“. Damit wären die theoretischen Grundlagen abgehandelt. Jetzt wissen aber schon die Kleinsten, man lernt fürs Leben nicht für die Schule. Wo also liegt aufgrund dieser Erkenntnis jetzt die innere Weisheit fürs Leben?
Ganz einfach. Geld verdirbt einem nicht das Leben, aber den Charakter. Grundsätzlich hat doch jeder immer zu wenig davon. Oft braucht man zum Leben weniger, als man denkt. Ich rede hier nicht vom Existenzminimum, sondern davon, dass es eine imaginäre Grenze gibt, wo die Annehmlichkeiten eines sorglosen Lebens der Entwicklung eines schlechten Charakters die Hand geben. Das Problem ist nur, dass man die Grenze nicht kennt und hat man sie erstmal überschritten, ist es schwer wieder zurückzugehen. Wenn man darüber lästert, dass Geld den Sport oder im Speziellen den Fussball verdirbt, dann sollte man dies differenziert betrachten. Wer die Grenze kennt und sie nicht überschreitet, der gewinnt nicht nur Spiele, sondern hat nachhaltigen Erfolg. Beispiele gibt es genug: die Oeri‘s, Hopp‘s und Abramowitsch‘s dieser Welt versuchen, wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen, dafür zu sorgen, dass der „Charakter“ erhalten bleibt.
Der FCB verdankt seinen Erfolg der guten Infrastruktur und der professionellen Organisation (vomTrainerstab bis zur Nachwuchsarbeit), welche dank den Millionen aufgebaut wurden. Diese sind Grundlage für den Erfolg. Dietmar Hopp versucht dasselbe in Hoffenheim aufzubauen und ist meines Erachtens zu früh aufgestiegen. Roman Abramowitsch hatte das Glück auf José Mourhino zu treffen, der aus den Millionen eine Mannschaft formte, die zwar bis heute (das wird sich morgen ändern) nie die Champions-League gewann, aber zweimal Meister und Liga-Cup Sieger wurde.
Es gibt aber auch die andern: Christian Constantin. Auch er hat Geld, auch er investiert, aber hier wurde dieob genannte Grenze schon lang überschritten.
Es kann sehr schnell gehen. Wie sagte doch Obasi: Geld bringt dich in die 1. Bundesliga.Es hält einem oft auch dort und seien es auch nur die Spieler die bleiben, nachdem der Klub wieder auf dem Weg nach unten ist.
Jetzt wo die Weltwirtschaft kriselt, Spekulanten und Rohstoffknappheit die Preise in die Höhe treiben und börsennotierte Firmen um die Gunst der Anleger streiten, zeigen sich die unangenehmen Seiten des Kapitalismus. Die Analysten übernehmen das Zepter. Sie loben oder strafen die Unternehmensbosse Quartal für Quartal. Knallhart, schonungslos und scheinbar ohne Skrupel. Sind Sie deswegen schlechte Menschen?
Sportjournalisten scheinen auf den ersten Blick, die bessere Ausgangslage zu haben. Stellenabbau, rote Zahlen und Mindestlöhne kümmern in der Welt des Sports nur Wenige. Und schon gar nicht bei der „schönsten Nebensache“ der Welt, dem Fussball. Aber halt, schauen wir doch mal genauer hin. Hinter der scheinbar heilen Fassade zeigt sich, dass so nebensächlich der Fussball nicht ist. Sportjournalisten treffen meist weit kurzlebigere Entscheidungen als Analysten. Woche für Woche wird knallhart Bilanz gezogen. Die Tabelle ist wie ein Aktienboard. Siege steigern die Erwartungen, bei Niederlagen wird der Anfang vom Ende prognostiziert. Als Zuschauer akzeptieren wir das. Ja, es macht sogar Spass, gerade wenn man Fan der einen oder anderen Mannschaft ist. Das wöchentliche Auf und Ab, die Lobeshymnen und vernichtende Kommentare steigern die Lust am Fussball und Sie machen die Begeisterung erst aus.
Sind Sportjournalisten nun bessere Menschen, weil wir diese Art der Analyse gutheissen und jene der Analysten scheinbar verabscheuen. „Analysten sind Menschen, die nie ein Unternehmen geführt haben und nicht wissen, was es dazu braucht“, meinen Kritiker. Aber das sind die meisten Sportjournalisten auch, kaum einer hat je um einen grossen Titel mitgespielt. Ihnen liegen die Analyse und das Schreiben und so ist es auch mit den Analysten. Verschiedene Charaktere gibt es bei beiden. Wenn wir also das nächste Mal auf die eine oder andere Berufsgattung schimpfen, sollten wir uns bewusst sein, dass wir alle Teil dieser Entwicklungen sind. Wir müssen uns bewegen. In der Wirtschaft hat es Porsche vorgemacht und auf Quartalsergebnisse verzichtet, Swatch sagt Analystenkonferenzen ab und Fussballspieler und Trainer üben sich bisweilen in mehr oder weniger erfolgreichen „silencio stampa“. Reaktionen dieser Art sind und bleiben Einzelaktionen ohne Flächenwirkung. Zu gross ist der innere Zwang, Teil des grossen Markts der Aufmerksamkeit zu sein. Noch schlimmer als schlechte News, sind gar keine. Wer erst einmal in Vergessenheit gerät, ist Weg vom Fenster. Der Verlust an Aufmerksamkeit ist, was alle fürchten.
So gesehen habe Sport und Kapitalismus weit mehr Gemeinsamkeiten als man denkt und doch stören sich Nostalgiker an diesem Fakt. Aufhalten können aber auch Sie die Entwicklung nicht. Nur in einem unterscheiden sich die beiden grundlegend: wenn die Mannschaft nicht erfolgreich ist, dann ist es der Chef sprich Trainer, der gehen muss und nicht die Angestellten. Doch wenn man es genau nimmt, dann scheint sich die Wirtschaft zumindest in dieser Hinsicht, in letzter Zeit etwas vom Sport abgeschaut zu haben.